Beschäftigung Behinderter – Perspektiven für Unternehmen

Beschäftigung Behinderter - Perspektiven für Unternehmen

Wie kommt's?

Dieser Beitrag gehört zu der Reihe Zukunftsstadt. Wir haben für die Stadt Dresden im Rahmen des Programms "Zukunftsstadt 2030+" des BMBF drei spannende Workshops durchgeführt. Wir brachten lokale Unternehmen, Bürger, Wissenschaftler und Politik zusammen und haben an konkreten Konzepten für die Stadtentwicklung gearbeitet. Die komplette Erklärung und Übersicht der Ergebnisse gibt es hier.

Zum Thema - Wird sich nicht schon gut um Behinderte gekümmert?

Antworten darauf mögen sicherlich vom persönlichen Standpunkt abhängen. Eines ist jedoch sowohl im Alltag als auch in Statistiken ersichtlich: für behinderte und schwerbehinderte Menschen ist die normale Teilhabe am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben oft erschwert. Der Beschäftigungsanteil und auch der Anteil derer mit Schulabschluss sind bei behinderten Menschen deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt. Es besteht zwar die gesetzliche Pflicht für Arbeitgeber zur Beschäftigung von Behinderten (§ 71 SGB IX), jedoch gibt es ja für fast jede Pflicht auch Wege diese zu umgehen. So auch in diesem Falle.

Für Arbeitgeber und Mitarbeiter tun sich oft scheinbare Hürden bei der Beschäftigung Behinderter auf und so wird denen die Teilhabe verwehrt. Mehr noch: das Unternehmen bringt sich selbst um eine echte Bereicherung! Gerade KMUs haben sich oft zu wenig mit dem Thema beschäftigt und das obwohl sie mit 66% Anteil aller Beschäftigten in Deutschland den größten Arbeitgeberanteil darstellen und damit auch die größten Potentiale zur Integration haben.

Dabei gibt es zahlreiche bestehende Förderungen und Methoden sowie auch alternative und vielversprechende Modelle.

Statistiken

24% der Unternehmen ist nicht einmal bekannt, dass es staatliche Förderung zur Integration gibt
24
In 22% der Fälle ist die Beschäftigung Behinderter nicht nur gleich gut, sondern wirkt sich positiv auf das Arbeitsumfeld aus
22
Die Zahl an Unternehmen, die in den nächsten 2 Jahren Behinderte einstellen wollen stieg von 8% auf 10%
10
2021 werden über 10% der Beschäftigungsfähigen (15-65 Jahre) schwerbehindert sein. Inklusion wird also elementar
10

Bestehende und innovative Beschäftigungsmodelle

Erprobtes:


IFD-Beratung

Probebeschäftigung

Praktika gezielt an Diakonien etc. anbieten

Jobmesse für benachteiligte Menschen

Innovative Modelle:


Schwerbehindertenvertretung (SBV) als wichtiges Kriterium zur erfolgreichen Integration

Handicap als Vorteil

Betriebliches Eingliederungsmanagement am Beispiel

Integrationsprojekte

Förderungen:

  1. Die Kosten für eine Probebeschäftigung bis zu 3 Monate können bis 100% erstattet werden
  2. Bei der Ausbildung eines Behinderten kann ein Zusatz zur Ausbildungsvergütung gestellt werden
  3. Arbeitgeber erhalten einen Eingliederungszuschuss, der bis 70% des Gehalts des behinderten Arbeitnehmers für 2 Jahre beträgt
  4. Um Behinderten die Tätigkeit in größtmöglichen Umfang zu ermöglichen, kann der Arbeitgeber Zuschüsse / Darlehen zur technischen Ausstattung beantragen, die die Kosten bis hin zur Gesamthöhe decken
  5. Erfüllt ein Arbeitgeber die Quote zur Beschäftigung Schwerbehinderter NICHT, so muss eine Ausgleichsabgabe gezahlt werden
  6. Wer sich intensiver mit den Förderungen beschäftigen möchte, findet hier den Förderratgeber der Sozialämter als pdf
    • https://www.integrationsaemter.de/files/10/ZB_Spezial_Finanzielle_Leistungen.pdf

Grobe Ergebnisse unseres Workshops "Arbeitswelten der Zukunftsstadt"

Wir wollen noch einmal die wichtigsten Konzepte aus unseren Workshops aufführen. Einige der Ergebnisse sind sehr visionär während andere so konkret und praxistauglich sind, dass es tatsächlich bereits reale Umsetzungen dazu gibt. So wird die Idee des "Beauftragten für Benachteiligte" bereits durch die oben erklärte Stelle des Schwerbehindertenvertreters bedient.

Visionen und langfristige Ziele:


Pflicht zur Aufklärung über die Beschäftigung von Behinderten

Beschäftigung eines Beauftragten für Benachteiligte

Förderung der Selbstständigkeit von Behinderten

Imagekampagne erfolgreich beschäftigter Behinderter

Strengere / verpflichtende Quote zur Beschäftigung Behinderter

Konkrete Modelle und Ideen:


Den Vorteil vermeintlicher Handicaps nutzen

Ausgleich von Tätigkeiten, die ein Behinderter nicht ausführen kann, durch präzises Kompetenzmanagement

50:50-Stellen, wenn Behinderte keine 8 Stunden arbeiten können

Assessment-Center für Benachteiligte

Sie denken über die (verstärkte) Beschäftigung Behinderter nach?

Wir hoffen, dass wir mit dem Beitrag einen ersten Überblick zum Thema Beschäftigung von Behinderten geben konnten. Wenn Sie weitere Fragen haben können Sie uns gern kontaktieren und wir können Ihnen in grundlegenden Fragen weiter helfen. Wenn es konkreter wird, verweisen wir mit gutem Gewissen auf den Integrationsfachdienst Sachsen.

Links

Integrationsfachdienst Sachsen

http://www.ksv-sachsen.de/integrationsfachdienst

Integrationsfachdienst-Ratgeber

http://www.kvjs.de/fileadmin/publikationen/ratgeber/KVJS-Ratgeber-IFD-Barrierefrei-RE26.pdf

Gesetzestext_ Pflicht des Arbeitgebers zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen

http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbix/71.html

Staat Sachsen zu Integrationsprojekten

http://amt24.sachsen.de/ZFinder/lebenslagen.do;jsessionid=2E7EA145CD826F4E0704C965C1789895.worker_zf2?action=showdetail&modul=LL&id=34545!0

Gesetzestext: Definition von Integrationsprojekten

http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbix/132.html

Studie von ver.di "Arbeitsbedingungen von Menschen mit Behinderung" Verweis SBV

http://www.verdi-gute-arbeit.de/upload/m53eb4cb4021fd_verweis1.pdf

Inklusionsbarometer Handelsblatt Research und Aktion Mensch

https://www.aktion-mensch.de/presse/div/download.php?id=125